Nutzgeflügel-Zuchtverein  Klecken und Umgebung von 1921 
 

Das Ramelsloher Blaubein Huhn

Das Ramelsloher Huhn wurde um etwa 1870 in Ramelsloh, einem Dorf südlich von Hamburg, erzüchtet. Der Ort Ramelsloh führt bis heute den blaubeinigen weißen Hahn unter dem Bischofshut in seinem Ortswappen. Als Grundlage der Erzüchtung dienten die alten, robusten „Vierländer Landhühner“, in die Spanier, Andalusier und Cochin eingekreuzt wurden.

Das Ramelsloher Huhn, auch als Ramelsloher Blaubein bezeichnet, war in der Zeit von etwa 1880 bis 1920 in Hamburg, der Nordheide, den Vierlanden und im Alten Land stark verbreitet. Kleinbauern und Tagelöhner hielten die Küken im Winter häufig in der Wohnstube als sogenannte Stubenküken. Diese wurden traditionell im Frühjahr im Alter von etwa zwei Monaten geschlachtet und auf den Hamburger Märkten mit einem Gewicht von 300 bis 500 Gramm angeboten. Ihr Fleisch war hell, fein im Biss und von delikatem Geschmack. Das Stubenküken galt in Hamburger Restaurants als besondere Delikatesse.

Das herausragende Kennzeichen dieser mittelschweren Zweinutzungsrasse ist die intensive Blautönung von Schnabel und Läufen. Die Tiere wurden in den Farbschlägen weiß und gelb erzüchtet und anerkannt. Mit dem Aufkommen von Hochleistungsrassen in der Massentierhaltung begann jedoch der Niedergang vieler alter Hühnerrassen. Die Zahl der Züchter ging kontinuierlich zurück.

Auch auf überregionalen Ausstellungen waren nur noch wenige Züchter aus dem Sonderverein vertreten. Die Anzahl der ausgestellten Tiere war überschaubar, wobei der Farbschlag weiß stark dominierte. Die Zahl der Züchter gelber Ramelsloher wurde immer geringer.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, gründete die Initiative zur Erhaltung alter Geflügelrassen e. V. im Jahr 2015 den Zuchtring Ramelsloher im Farbschlag gelb. Die zwölf Mitglieder tauschen nach einer festgelegten Reihenfolge Bruteier im Ringverfahren aus. Aus den geschlüpften Küken wird jeweils ein Zuchthahn ausgewählt, der zusammen mit den eigenen Hennen einen neuen Zuchtstamm bildet.

Im Herbst findet eine Jungtierbesprechung statt, bei der jedes Tier von einem Sonderrichter nach dem Rassestandard bewertet wird. Auf dieser Grundlage wird über die Zuchttauglichkeit entschieden. Der Zuchtring wurde von unserem Vereinsmitglied Heinrich Thomas aus Hollenstedt gegründet und organisiert. Innerhalb des Rings konnten auch Mitglieder gewonnen werden, die ihre Tiere auf Geflügelausstellungen präsentieren.

Im Jahr 2024 richtete der Nutzgeflügel-Zuchtverein Klecken und Umgebung in der Heimat des Ramelsloher Huhnes die Hauptsonderschau des Sondervereins der Züchter des Ramelsloher Huhnes aus. Die Meldezahl überraschte alle Beteiligten und war mit 88 Tieren so hoch wie noch bei keiner bisherigen Sonderschau. Von den gemeldeten Tieren gehörten 57 dem Farbschlag gelb an.

Die Kollektion wurde mit viel Fingerspitzengefühl vom Sonderrichter F. Overdiek bewertet. Die Bewertungsergebnisse beschrieb er ausführlich in der Geflügelzeitung, Ausgabe 1/2026. Dieses Ergebnis zeigt deutlich: Wenn eine Rasse gezielt gefördert und betreut wird, lassen sich auch neue Züchter für ihre Erhaltung begeistern.

Text und Fotos: Karl-Heinz Weselmann, Zuchtwart NGZV Klecken und Umgebung

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Der Bericht aus der Geflügelzeitung wurde uns freundlicherweise von der HK Hobby- und Kleintierzüchter Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, zur Verfügung gestellt.